Website-Icon hufschmiedever.band

Meine Gedanken zu…..

was bedeutet es für mich, Hufschmied zu sein ?

In dem Artikel zum Thema Barhuf (Pferde Revue 1/19) wurde schon festgehalten, dass sich das Leben eines „Hauspferdes“ nicht mehr mit dem eines Wildpferdes vergleichen lässt. Es sind zwei verschiedene Welten. Manchmal hört man noch: „Pferde werden ja auch nicht mit Hufeisen geboren.“
Ich stimme zu. Aber Pferde werden auch nicht geboren, um Menschen zu tragen, in einer Sandkiste Dressurlektionen oder Manöver zu gehen, über Hindernisse zu springen und das Futter auf dem Teller serviert zu bekommen.

In unserer Welt, bei den Menschen, muss das Pferd und der Pferdehuf das aushalten, was wir von ihm verlangen. Wir haben die natürliche Auslese der Natur ausgeschaltet. Denn wer wäre bereit, sein Pferd bei einem Problem im Stich zu lassen und zu akzeptieren, dass es vielleicht sein Pferd ist, das es nicht schafft und stirbt?
Das hört sich hart an, wäre aber die Realität. Da gibt es nichts schön zu reden.

Meine Aufgabe als Hufschmied ist es, dem Pferd innerhalb meines Kompetenzkreises dieses Leben so angenehm wie möglich zu machen. Ob das Pferd überhaupt einen Hufschutz braucht oder welche Art des Hufschutzes, ist abhängig von Verwendungszweck, Gangbild, Bodenverhältnissen usw. Gerade der Verwendungszweck hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr vom Sport- zum Freizeitpferd verlagert.

Warum mache ich eine Ausbildung, die mindestens drei Jahre dauert? Weil ich weiß, dass es Zeit braucht, um Pferde, und Situationen und Haltungsbedingungen in einen gemeinsamen Kontext zu bringen, um vernünftige Entscheidungen treffen zu können. Man braucht Praxis mit echten, lebenden Pferden und zwar so viele wie möglich, so lange wie möglich.
In einer Lehre bin ich jeden Tag mit meinem Lehrschmied unterwegs, kann ihn genau beobachten, wie er Pferde beurteilt und korrigiert. Ich bin mitten im Geschehen. Bei einer Lehre sind 3 Jahre Ausbildung wirklich 3 Jahre Ausbildung.
Es ist schon möglich, sich in kurzer Zeit theoretisches Wissen anzueignen und dieses als einzig richtige Theorie zu vertreten – auf lange Sicht gesehen, wird dies meiner Meinung nach ohne praktischer Erfahrung im weiteren Berufsleben nicht ausreichen.

Was passiert, wenn ein Pferd lahmt. Jawohl, es wird jemand zu Rate gezogen, der sich professionell damit beschäftigt, eben z.B. Tierarzt und Hufschmied. Man bespricht die Situation mit dem Besitzer, stellt einen Plan auf, setzt diesen um und beobachtet, wie das Pferd darauf reagiert. Verläuft es zufriedenstellend, bleibt man dem Plan treu – wenn nicht, passt man den Plan an.

Als Hufschmied muss ich mich nicht an eine Ideologie, die EINE Hufkorrektur, halten. Ich kann frei entscheiden, ohne eine „Korrektur-Koryphäe“ zu beleidigen. Ich kann versuchen, dem Pferd mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln zu helfen.
Ich darf aus allen Befestigungsmöglichkeiten und Materialien wählen. Genagelt, geklebt, geklettet, Hufeisen aus Metall, Kunststoff, Kunsthorn, Hufschuhe usw., je nachdem, was die Situation meiner Meinung nach verlangt.
Diese verschiedenen Korrekturansätze und gerade der traditionell genagelte Beschlag bieten mir die größte Auswahl an Möglichkeiten. Diese Art des Hufschutzes ist seit vielen Jahrhunderten erprobt, funktioniert auf breiter Basis, hat ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und ist dadurch bis heute mit riesigem Abstand der erfolgreichste Hufschutz.

Das Hufeisen hat schon lange vor mir funktioniert und wird auch noch nach mir funktionieren. Trotzdem verlange ich von mir selbst, immer offen zu bleiben und neue Technologien und Materialien neutral und professionell zu testen.

Ich kann zumindest von mir sagen, dass immer wieder etwas dabei war, das dem einen oder anderen Pferd besser geholfen hat als ein Hufeisen. Aber für die breite Masse hat es bis jetzt zumindest noch kein Ersatz geschafft.

Die mobile Version verlassen